Freitag, 26. Juni 2009

und weiter gehts...

6. Tag: Donnerstag, 4. Juni 2009


Der Morgen beginnt für uns heute vergleichsweise früh. Schon um Viertel vor sieben kriechen wir aus unseren quietschenden Betten und sind froh, dass wir unsere „Honks“ zurücklassen können, die nach ihrer lautstarken Heimkehr um 2 Uhr morgens jegliche Sympathiepunkte bei uns endgültig verspielt haben. Noch ein kurzes „strip the bed“ und dann kanns losgehen.
Mit Frühstück sieht es heute leider schlecht aus, da die Küche im Hostel erst um 8 aufmacht, was für uns natürlich zu spät kommt. Mit Milch hätten wir uns notfalls ja noch versorgen können, aber wie isst man Cornflakes ohne Schüssel und Löffel?

Pünktlich um 8.10 Uhr startet unsere Fahrt nach Ullapool. Es sind zwar diesmal nur 92 km, aber die lohnen sich wirklich. Eine Stunde lang durch die Highlands, das muss natürlich ausgiebig gefilmt werden. Auf der A87 geht es nordwärds. Wir passieren viele Berge, hin und wieder ein paar kleine Lochs und viele Weideflächen. Immer wieder lustig sind die Schafe, die je nach Besitzer mit einem anderen Farbpunkt markiert sind. Seltener trifft man dagegen auf Kühe oder Pferde.

Gegen halb 10 kommt dann das kleine Fischerörtchen Ullapool in Sicht. Für zwei Touristen wie Carsi und mich, die die letzten Tage bloß in Großstädten verbracht haben, ist das natürlich eine Umstellung, aber eigentlich ist es ein ganz süßes Fleckchen. Nur das Wetter könnte etwas besser sein. Zwar ist es nach wie vor trocken, aber wenn sich hin und wieder die Sonne zeigen könnte, würde es den Anblick der ruhigen Bucht mit den kleinen Bötchen gleich viel schöner machen.

Nicht so schön ist auch unser erstes Zusammentreffen mit dem Hostelpersonal. Obwohl es erst halb 10 ist, lässt uns die gute Frau nicht einchecken, obwohl auf meinem Zettel klar steht, dass es bis halb 11 möglich ist. Jetzt müssen wir bis 17 Uhr warten und haben noch nicht mal einen Ort, wo wir unsere Rucksäcke sicher lagern können.

Das trübt unsere Stimmung doch etwas und vor allem haben wir immer noch nichts Vernünftiges im Magen. Also zwängen wir uns mit unserem Gepäck in einen engen Tante Emma Laden und versorgen uns erst mal mit Sandwich und Trinken. Am Hafen wird dann über das weitere Vorgehen nachgedacht.

Voll beladen beschließen wir erst mal am Pier entlang zu laufen und stoßen dabei prompt auf einen Wegweiser zur Tourist Info. Dort gibt es doch bestimmt einen „Stadt“-Plan. Kaum halten wir diesen in unseren Händen, stellen wir fest, dass es hier auch ein kleines Museum gibt. Schon ein paar Häuser weiter entdecken wir es in einer umgebauten Kapelle und die freundliche Dame an der Kasse passt selbstverständlich auf unsere Rucksäcke auf, so lange wir uns umsehen.

Das Museum erzählt sehr schön den Wandel des kleinen Örtchens, das seit jeher vom Fischfang abhängig war. Als Ende des 18. Jahrhunderts viele Bauern durch die Land Clearences enteignet wurden, versuchten sie einen Neuanfang in der Neuen Welt. Im Gebiet um Ullapool brachen viele Schiffe nach Westen auf und die kanadische Provinz Nova Scotia ist ein Resultat davon. Wer viel Zeit hat, kann sich an einen der Lesetische setzen und in den alten Dokumenten blättern. Sehr schön ist auch der kleine Film, der regelmäßig gezeigt wird. Man kann ihn sogar auf Deutsch anhören oder wer will auch gern auf Gälisch.

Als wir mit unserer Besichtigung fertig sind, wird die freundliche Dame an der Kasse sogar zu unserer Retterin. Nachdem wir ein wenig miteinander geplaudert haben, bietet sie uns, dass wir unsere Rucksäcke doch bei ihr lassen können. Das Museum hat noch bis 17 Uhr geöffnet und so lange wäre sie auch hier und könnte ein Auge auf unsere Sachen haben, damit wir den Tag ohne das schwere Gepäck genießen können. Keine Frage, natürlich haben wir das Angebot angenommen^^.

Ohne die 13 Kilo auf dem Rücken geht es doch gleich viel leichter. Wir kehren zum Hafen zurück und schlendern noch etwas am Kiesstrand entlang. Gerade haben wir es uns auf einer Bank in einem kleinen Park gemütlich gemacht, da setzt plötzlich ein leichter Regen ein. Doch lassen wir uns davon beeindrucken? Sicher nicht! Schließlich muss sich die dicke Wetterjacke ja auch lohnen.

Zum wirklichen Regen kommt es dann sowieso nicht und als wir uns wieder auf den Weg Richtung Hafen machen ist es bereits Mittag. Jetzt wird es Zeit, dass wir uns die Karten für die Bootstour auf dem Loch Broom besorgen. Für den Nachmittag ist nämlich eine zweistündige Wildlife Cruise angekündigt. Zwar ist der Spaß nicht ganz billig, aber man muss sich schließlich auch mal was gönnen.

Bis zur Abfahrt haben wir aber noch genug Zeit für ein kleines Mittagessen und nachdem ganz Ullapool offenbar auf den Fish&Chips Imbiss schwört, schließen wir uns diesem Trend an.Du meine Güte, allmählich bekomme ich Probleme, die riesige Portion noch runterzubringen, dabei ist das die Normalgröße. Ich will gar nicht wissen, was die große Portion ist.

Die Möwen haben offenbar auch schon durchschaut, dass die meisten mit den Portionen überfordert sind und lauern gierig auf die Hinterlassenschaften. Als ich unvorsichtig genug bin, dass mir ein Fischhappen auf den Boden fällt, ist das Chaos nicht mehr aufzuhalten. Gierig stürzen sich die Federviecher auf den Happen und wer leer ausgeht, der erwartet selbstverständlich, dass gleich nochmal was abfällt. Vom Fisch bekommen sie nichts zu sehen, aber da ich die letzten Pommes beim besten Willen nicht schaffe, gibt es dann doch noch eine kleine Raubtierfütterung.

Noch vor der offiziellen Bootstour, macht Carsi am Hafen noch eine tolle Beobachtung: ein Seehund schwimmt ganz ungeniert im Hafen umher und lässt sich brav von mir filmen. So ungestört können wir die Wildtiere auf der Bootsfahrt sicher nicht beobachten.

Um 14 Uhr geht es dann endlich los mit unserer Bootstour auf der Summer Queen. Die Leute strömen förmlich auf das Schiff, aber wir bekommen trotzdem noch einen guten Platz an der Reling. Das Wetter hat sich inzwischen gebessert und die Sonne lässt sich blicken. So viel Wildlife sehen wir zunächst gar nicht, dafür aber schöne Felsküsten. Besonders schön sind die hohen Felswände, in denen die Möwen ihre Kolonien haben. Und auch die versprochenen Seehunde lassen sich dann endlich blicken, teils zu Wasser, teils auf Felsen liegend. Auf dem Rückweg kommen wir an ein paar Fischfarmen vorbei. Mittlerweile ist es so zugig kalt und auch nass auf dem Vorderdeck, weil immer wieder Wasser hochspritzt, dass sich die Reihen gelichtet haben. So kann man die Aussicht doch gleich viel besser genießen.

Gegen 16 Uhr sind wir wieder zurück in Ullapool. Gemütlich laufen wir wieder zum Museum und bedanken uns natürlich recht freundlich bei der netten Frau. Bis wir einchecken dürfen dauert es noch ein bisschen, aber wir setzen uns schon mal auf die Bank vor dem Hostel, bis dieses seine Tür wieder für uns öffnet.

Mittlerweile tauchen immer mehr Leute auf, die sich für diese Nacht ein Zimmer buchen wollen. Vor allem bei Motoradfahrern scheint das Hostel beliebt zu sein und irgendwie stammen die alle aus Deutschland. Aber auch für Radfahrer und Wanderer scheint es eine bekannte Adresse zu sein. Tatsache ist jedenfalls, dass Carsi und ich offenbar zu den jüngsten Gästen gehören.

Zumindest müssen wir uns so keine Sorgen wegen Honks machen. Unsere Zimmergenossin kommt aus der Schweiz und ist eigentlich ganz nett. In der Küche sorgt hingegen eine Truppe Engländer für Aufregung. Offenbar haben die ein ganzes Festmahl geplant, doch der Ofen will einfach nicht richtig mitspielen. Da werden die Damen fast schon ein bisschen neidisch auf unsere Fertignudeln.Leider gelingen die uns auch nicht so recht, denn bei der ganzen Ausstattung dieser tollen Küche, gibt es einfach keinen Messbecher. Unser Augenmaß war wohl nicht so toll, aber mit genügend Salz schmeckt es gar nicht so schlecht.

Nach dem Essen streif ich noch ein wenig am Hafen herum. Von hier aus lässt sich in der Abendsonne wunderbar mit dem Handy nach Hause telefonieren. Leider ist es trotz der Sonne nicht besonders warm, weswegen ich auf meine Jacke sicher nicht verzichten will.

Den Ausblick auf den Hafen können wir dann auch von unserem Zimmer aus genießen. Zur Abwechslung kann ich mal wieder in einem unteren Bett schlafen, vor allem weil ich keine Ahnung habe, wie man ohne Leiter auf das Stockbett hinaufkommen soll. Aber so ist es nunmal, andere Hostels, andere Betten. Oder wie ging dieser Spruch noch gleich?

Entfernung: 92km

7. Tag: Freitag, 05. Juni 2009

Mit einem wunderschönen Ausblick vom Fenster aus beginnt der neue Tag. Leider zeigt sich die Sonne aber nicht allzu lange, bevor schon die ersten Wolken hinter den Bergen auftauchen, die nichts Gutes versprechen. Aber keine Panik, zunächst gibt es erst mal Frühstück.

Danach packen wir unsere letzten Sachen zusammen, geben Bettwäsche und Schlüssel ab und machen uns auf zum Hafen. Am Ferry Terminal können wir uns die Tickets für unsere Überfahrt zur Insel Lewis besorgen und da es noch eine Weile dauert, bis die Fähre eintrifft, lümmeln wir noch ein bißchen am Strand herum.

Endlich taucht das Schiff in der Bucht auf und schon versammeln sich alle am Pier, denn das Anlegen der Fähre, ist immer wieder interessant um mitverfolgt zu werden. Das Schiff ist alles andere als eine Nussschale, aber trotzdem noch überschaubar, sodass die Passagiere bald von Bord sind und wir einchecken können.

Auf dem obersten Außendeck ist noch jede Menge Platz für uns und unsere Rucksäcke. Zwar ist es alles andere als angenehm warm, aber man hat auf jeden Fall eine tolle Aussicht. Außerdem sind wir ja ohnehin auf jedes Wetter eingestellt und wenn man sich erst mal schön in seine Jacke eingepackt hat und die Kapuze oben ist, kann einem auch der frische Wind nichts mehr anhaben.

Fast eine ganze Stunde dauert es allein schon, um den Loch Broom zu durchqueren, der dann direkt ins Meer mündet. Bis dorthin passieren wir viele schöne Inseln. Die einen größer, die anderen kleiner; manche völlig unbewohnt, auf manchen entdeckt man ein paar Häuschen. Auch das Wetter macht noch mit. Offenbar haben die Regenwolken beschlossen, in Ullapool zu bleiben, anstatt uns zu folgen. Zumindest können wir schön beobachten, wie in der Ferne ein Schauer niedergeht, während bei uns mehr und mehr die Sonne durch die Wolken blinzelt.

Mit der Zeit wird es uns dann aber doch etwas zu kalt auf dem Oberdeck und so beschließen wir rein zu gehen. Dort ist es auch schön warm, allerdings auch ganz schön wacklig. Kaum, dass wir das offene Meer erreicht haben, beginnt der Boden zu schwanken. So muss es sich anfühlen, wenn man das Maß an Alkohol weit überschritten hat. Da wird ein Besuch auf dem Klo schon richtig zum Abenteuer.

Der heftige Seegang macht einigen zu schaffen. Darunter auch Carsi, die auf einmal ganz blass um die Nase wird und immer wieder zwischen Bank und Klo hin und her pendeln muss. Ich muss zugeben, obwohl ich Schifffahrten normalerweise liebe, wird auch mir allmählich mulmig zumute, aber bis wir in Stornoway sind, ist es noch eine ganze Weile.

Nach einem Wechsel vom Bug- in den Heckbereich, wird es ein kleines bißchen besser und kaum, dass ich versucht habe, eine angenehme Sitzposition zu finden, dös ich auf einmal ein und wach erst wieder auf, als wir bereits auf den Hafen zufahren.Zumindest hätten wir diese Wackelpartie damit wohl überstanden.

In Stornoway angekommen, staunen wir nicht schlecht. Nachdem Ullapool schon so ein kleines Örtchen war, hatten wir keine großen Vorstellungen von der Hauptstadt der Insel Lewis. Aber jetzt wo wir hier sind, müssen wir zugeben, dass es größer ist, als wir es uns gedacht haben. Groß genug, dass wir zunächst Mühe haben unser Hostel zu finden. Glücklicherweise entdecken wir eine Tourist Info und die nette Dame dort versorgt uns nicht nur mit einem Stadtplan – und diesmal ist der Name wirklich angebracht – sondern gibt uns gleich noch eine Wegbeschreibung.


Nur zwei Querstraßen weiter werden wir fündig. Eigentlich auch kaum zu verfehlen, so groß wie es angeschrieben steht. Auf unser Klopfen hin werden wir gleich von Christine empfangen, der quirligen Besitzerin des Hostels, die uns einen herzlichen Empfang bereitet und aufgeregt mit ihrem angeknabberten Eis herum wuselt, um uns alles zu zeigen.
Wir kommen gar nicht mehr aus dem Staunen heraus, vor allem als wir unser Zimmer sehen. Alles ist noch ganz neu und schön geräumig, vor allem das Bad, in dem es sogar eine Badewanne gibt. Kaum zu glauben, dass das Hostel, das am weitesten von den Touristenzentren entfernt ist, am schönsten von allen ist. Die vier Sterne, die man auf einem Schild entdecken kann, sind zumindest wirklich verdient.

Lange Zeit zum Verweilen bleibt uns aber leider nicht, denn wir haben ein strenges Programm. Um halb drei geht unser Bus nach Callanish, das etwa 24km von Stornoway entfernt liegt. Dort und in der näheren Umgebung befinden sich nämlich einige Steinkreise, die sehr interessant sind. Callanish war ja eigentlich auch der Grund, weshalb es uns auf diese Insel verschlagen hat.

Auf dem Weg dorthin begegnet uns nicht viel Zivilisation. Die wenigen Ortschaften, die wir durchfahren, bestehen meist nur aus vereinzelten Häusern. Ansonsten gibt es nichts als Landschaft mit grasbewachsenen Hügeln, entfernten Bergen und kleinen Seen. Dazwischen natürlich immer wieder unsere Freunde die Schafe und ab und zu Gräben, wo Torf gestochen wird.Die Gegend könnte so unberührt und natürlich wirken, wenn nicht alles von Strommasten durchzogen wäre. Aber irgendwie müssen die Menschen ja ihren Strom bekommen.

Eine gute halbe Stunde später haben wir unser Ziel erreicht. Die Sonne schaut zwar frech zwischen den Wolken hervor, aber als wir aussteigen werden wir fast weggeweht. An Wind scheint es hier zumindest nicht zu fehlen. Als erstes machen wir einen Abstecher ins Visitor Centre – wenn man es wohl so nennen darf. Eigentlich ist der Souvenirshop größer als der ganze Ausstellungsraum, dafür kostet es aber auch nicht die Welt.

Nachdem wir uns vor ab also mit Informationen versorgt haben, können wir uns auf den Weg zu den Steinen machen, die hinter einem kleinen Hügel liegen. Glücklicherweise sind außer uns nicht viele Besucher hier. Der letzte Reisebus ist gerade abgefahren und so haben wir die „Standing Stones“ praktisch für uns ganz allein. Naja, mit Ausnahme dieses Herrn in rot, der offenbar jeden Stein einzeln fotografieren muss und sich dabei immer wieder ins Bild drängt.
Aber schon allein die herrliche Aussicht über einen See und die weite Hügellandschaft ist einen Besuch wert. Das alles mit der Kamera festzuhalten ist gar nicht so einfach, weil der Wind mich fast vom Felsen bläst, von dem ich alles so wunderbar überblicken kann.

Nachdem alles ausgiebig von uns besichtigt und bildlich festgehalten wurde, taucht ein neues Problem auf: Hunger! In der ganzen Aufregung mit Schiff, Bus und Steinen ist das Mittagessen total flach gefallen und jetzt gibt das Monster in unseren Mägen einfach keine Ruhe mehr. Leider kommen wir zu spät, um noch etwas Essbares im Restaurant zu bekommen und einen Tante Emma Laden scheint es hier auch nicht zu geben, also bleibt uns nichts anderes übrig, als zu warten, bis wir wieder in Stornoway sind.

Kaum ausgestiegen, gibt es nur noch ein Ziel: der Tesco. Dort gibt es alles, was der hungrige Magen begehrt. Erst mal einen Imbiss für unterwegs und dann noch etwas für die Mikrowelle. Beim Zahlen mach ich außerdem noch eine interessante Erfahrung, was die hiesige Sprache angeht. Man sollte nämlich wissen, dass auf Lewis die erste Sprache nicht Englisch, sondern Gälisch ist. An sich macht das für die Touristen wenig Unterschied, denn englisch kann selbstverständlich auch jeder, aber es genügt zumindest, um mich stutzig zu machen, als mir die Dame an der Kasse den Preis zunächst auf Gälisch sagt und ich nur verdattert die Anzeige anschaue. Schade eigentlich, auf Gälisch hatte sich der Preis irgendwie weniger angehört.

Zurück im Hostel geht’s erst mal ans Abendessen. Die Ofengeschichte funktioniert nicht so gut, also versuchen wir die Mikrowellenvariante. Schlussendlich ist der Shepperd’s Pie doch essbar, eine Meinung die Carsi aber nicht unbedingt mit mir teilt.

Der Abend ist noch jung und weil wir morgen ja schon früh wieder los müssen, wollen wir die Zeit noch nutzen, um uns Stornoway etwas anzusehen. Es gibt dort nämlich sogar ein Castle, das – wie wir feststellen, als wir dort sind – früher eine Schule war. Diese ist mittlerweile aber in einen neueren Bau nicht weit davon entfernt umgezogen. Seitdem steht das alte Schloss wohl einfach leer.Der große Park drumherum mit einem kleinen Wald ist aber auf jeden Fall einen Besuch wert, nur sollte man sich vor Golfbällen in Acht nehmen.

Eine weitere Besichtigung der Stadt fällt dann aber leider flach, weil es plötzlich wie aus Kübeln zu schütten anfängt. Zwar hört es bald schon wieder auf, aber es hat gereicht, dass wir nass geworden sind und lieber wieder ins warme, trockene Hostel zurückkehren.


8. Tag: Samstag, 06. Juni 2009

Nachdem uns der Wecker um unsere gewohnte Zeit (7.45 Uhr) aus dem Bett geklingelt hat und wir uns mit dem Frühstück (das als einziges im Preis mit inbegriffen war) gestärkt haben, müssen wir dieses schöne Plätzchen schon wieder verlassen.

Der Weg führt uns heute quer über die Insel, zu dem Teil der Harris genannt wird. Dort befindet sich das kleine Örtchen Tarbert, von wo die Fähren zur Insel Skye übersetzen. Ja, ihr habt richtig gelesen, wir haben uns wieder auf ein Schiff begeben, auch wenn Carsi seit der letzten Fahrt eine Aversion gegen jegliche Fahrzeuge entwickelt hat, die sich auf dem Wasser bewegen.

Um raus zu sitzen ist es heute auch wahrlich zu ungemütlich. Die Sonne versteckt sich nämlich hinter grauen Wolken, die immer wieder Regentropfen fallen lassen. Hinzu kommt noch ein bissiger Wind. Nachdem ich das Ablegen lange genug gefilmt habe, ziehe ich mich da doch lieber wie Carsi ins Innere zurück.

Die Fahrt nach Uig verläuft aber wesentlich ruhiger, als die Tour vom gestrigen Tag. Außerdem dauert sie auch nur halb so lange und wir versuchen uns mit Kartenspielen und Gesprächen von der eigentlichen Fahrt abzulenken. So geht alles glatt.Und als die Insel Skye vor uns auftaucht, können wir auch gleich noch mit Freude feststellen, dass es wunderbares Wetter hat. Tja, wenn Engel reisen, lacht der Himmel.

Uig ist schon ein hübsches Fleckchen, aber es ist wohl kein Zufall, dass sich dieser Ort auf „ruhig“ reimt. Wir schließen diese sog. Streusiedlung fast schon in unser begeistertes Herz…bis wir uns fragen, wo eigentlich unser Hostel ist.

Straßennamen scheint es hier offenbar nicht zu geben, dementsprechend halten wir vergeblich nach einem Lageplan Ausschau. Eine Tourist Info hat es vor Jahren wohl mal gegeben, zumindest gibt es noch ein altes, verkratztes Schild, aber diese Station kann wohl schon lange kein verzweifelter Backpacker mehr ansteuern. Also wenden wir uns an das freundliche Personal des Ferry Terminals.

Die gute Frau weiß sofort, wo wir hinwollen, aber als sie auf ein graues Haus, ganz oben auf der anderen Seite der Bucht deutet, vergeht uns unsere Freude. „Ihr könnt den Bus nehmen, der fährt in einer halben Stunde. Oder laufen, das dauert etwa eine Stunde.“Das sind ja tolle Aussichten! Wieso hat uns keiner davor gewarnt?

Auf den Bus zu warten dauert uns dann doch zu lange, vor allem weil wir unbedingt noch einen Tante Emma Laden brauchen. Denn wenn wir erst mal DORT oben sind, bringen uns keine zehn Pferde mehr dazu, nochmal runter zu laufen. Also starten wir unseren langen Marsch um die Bucht von Uig. Jetzt wird mir langsam klar, worum der Reiseführer diesen Ort als Streusiedlung bezeichnet hat. Weiter kann man die Häuschen wirklich nicht verstreuen.

Zumindest können wir uns unterwegs noch versorgen. An einer Tankstelle gibt’s einen feinen Sandwich für unterwegs und auf halber Strecke stoßen wir erleichtert auf Tante Emma. So ist auch das Abendessen und das kommende Frühstück gerettet. Wir können den Aufstieg also wagen.

Keuchend und schwitzend schaffen wir die letzte Etappe und stehen mit unserem Gepäck mal wieder – wie könnte es anders sein? – vor verschlossenen Türen. Einchecken mal wieder erst ab 17 Uhr. Naja, zumindest hat die Lage ein Gutes: die Aussicht ist grandios. Das entschädigt uns auch für die Wartezeit. Immerhin können wir unseren Rucksack abstellen und die herrliche Sonne genießen.

Gegen Abend machen wir schließlich noch Bekanntschaft mit ein paar witzigen Leuten. Zum einen wäre da eine Engländerin, die sicher schon auf die 70 zugeht. Sie hat ihren ganzen Besitz verkauft und reist seitdem mit diesem Geld in der Weltgeschichte herum. Auf die Frage, wohin sie unterwegs ist, antwortet sie, sie geht dahin, wo sie gerade Lust hat. Und nachdem ich ihr von Stornoway und Callanish erzählt habe, hat sie offenbar große Lust dorthin als nächstes zu gehen.Zum anderen kommt noch ein älteres Ehepaar aus Kanada hinzu, das eine große Leidenschaft fürs Wandern und die Natur hat und gleich erzählt, was sie schon alles erlebt haben.

So ist die Wartezeit bis zum Einchecken auch bald schon vorbei. Von unserem Zimmer hat man den schönen Ausblick nicht so sehr und es ist zugegebenermaßen auch ein bißchen muffig. Dafür tut die Dusche aber so richtig gut und nach dem Abendessen ist der anstrengende Marsch auch schon fast wieder vergessen. Als Entschädigung bekommen wir zumindest einen wunderschönen Sonnenuntergang über der Bucht von Uig zu sehen.










9. Tag: Sonntag, 07. Juni 2009

Strahlender Sonnenschein erwartet uns, als wir heute aufstehen. Wie sollte es auch anders sein? Zum Frühstück gibt es heute sogar die doppelte Portion unseres Cornflakesvorrats. Diese kleinen Päckchen beinhaltet ja fast nur eine Kinderportion, das ist zu wenig für ein stattliches Backpackersfrühstück.

Zum Bus müssen wir glücklicherweise nicht wieder kilometerweit laufen, denn gar nicht weit von unserem Hostel gibt es praktischerweise eine Haltestelle, wo uns um halb zehn der Citylink Bus aufgabeln kann. Leider ist heute Sonntag, was bedeutet, dass unsere ehemals geplante Inselrundfahrt ins Wasser fällt. Denn eines sollte man wissen, sonntags geht auf den Inselchen gar nichts. Zum Glück ist Citylink da eine Ausnahme und wir können zumindest einen Zwischenstopp in Portree machen.

Portree ist die „Hauptstadt“ der Insel Skye. Besonders hübsch ist die kleine Bucht mit ihren Bötchen und eigentlich verspricht mein Reiseführer auch ein Museum. Dummerweise entdecken wir nirgendwo einen Hinweis, auch nicht auf dem Stadtplan. Ohnehin haben wir nur eine Stunde Zeit, bevor wir mit dem nächsten Bus weiterfahren nach Kyleakin.

Als wir aus Portree hinausfahren, erhalten wir auch eine Antwort auf die Museumsfrage. Das Aros Centre, das eigentlich die Geschichte der Insel Skye erzählen soll, befindet sich am äußersten Rand von Portree. So weit, dass es nicht einmal mehr auf den Stadtplan gepasst hat. Wer es sich also mal ansehen will: entweder sehr viel Zeit oder ein Auto einplanen.

Die Fahrt quer über die Insel, die ohne Unterbrechung eine Stunde dauert, führt wieder durch wunderschöne Berg- und Seenlandschaften. Für Wanderer und Motoradfahrer sicher ein einziges Paradies, für Radfahrer dagegen wenig empfehlenswert, es sei denn, man steht auf steile Steigungen.

Gegen zwölf erreichen wir den äußersten Zipfel der Insel: das kleine Örtchen Kyleakin, das mit einer großen Brücke mit dem Inselfestland und damit der Ortschaft Kyle of Lochalsh verbunden ist. Glück für uns, dass wir nicht wieder auf eine Fähre zurückgreifen müssen.

Vorerst wollen wir aber noch gar nicht von hier weg, sondern eine Nacht in einem Hostel verbringen. Das kleine Häuschen an der Busstation (jaaa, endlich mal ein Hostel, bei dem man nicht erst noch ewig laufen muss!) wirkt recht unscheinbar und als wir es betreten, müssen wir leider feststellen, dass auch hier die 17 Uhr-Regelung gilt. Doch wir können gerne unsere Rucksäcke da lassen, hier scheint wenig los zu sein.

Kyleakin ist etwa in die gleiche Größenordnung wie Uig zu stecken, nur dass alles etwas dichter beieinander ist. Von vielen Attraktionen kann man nicht sprechen. Touristenmagnet ist sicher das Restaurant/Pub mit seinem dazugehörigen Souvenirshop. Dort halten zumindest die Reisebusse an, wenn sie sich hierher verirren.

Einen Supermarkt gibt es leider nicht, nur einen kleinen Laden, der zwar sonntags auf hat, aber wenig Auswahl hat. Wer in einen Supermarkt will, muss nach Kyle of Lochalsh. Allerdings klingt dies leichter gesagt, als getan. Um die lange Brücke zu erreichen, muss man sich erst ein ganzes Stück weit aus Kyleakin hinaus begeben und wenn man sie erst mal erreicht hat, braucht man etwa 45 Minuten, um sie zu überqueren.

Gut also, dass wir mit dem Nötigsten versorgt sind und getrost hier bleiben können. Wenn man den kleinen Hafen umrundet, kommt man bald an einen schmalen Trampelpfad. Dieser führt zu einer kleinen Ruine, dem Casteal Moal Castle, das man schon von weitem auf einem Hügel entdecken kann. Wenn man allerdings hinlaufen will, muss man auf die Gezeiten Acht geben. Teile des Pfades sind nur dann begehbar, wenn Ebbe herrscht und wenn man dann den kleinen Hügel erklimmen will, sollte man unbedingt die geeigneten Schuhe anhaben, um durch das Dickicht zu stapfen. Stöckelschuhe und Flipp-Flopps sind denkbar ungeeignet.

Dass sich nur wenig Touristen hierher verirren kann man spätestens daran erkennen, dass sie Infotafel praktisch nicht mehr zu lesen ist, aber es hat immerhin eine Bank dort oben, von der aus man einen wunderbaren Blick auf Kyleakin und die Umgebung hat.
Allzu lange verweilen wir dort aber nicht, immerhin haben wir keine Ahnung wann das Wasser wieder steigt und uns womöglich den Rückweg blockiert. Zurück im Dorf besorgen wir uns erst mal einen Sandwich, bevor wir einen kleinen Weg zu einem Kriegerdenkmal erklimmen. Von hier aus ist die Aussicht fast genauso schön und man muss nicht Angst haben, von der Flut überrascht zu werden.
Als es uns zu zugig wird, beschließen wir, ein wenig am Kiesstrand entlang zu laufen. Was man hier alles so findet! Baden scheint offenbar nicht sehr empfehlenswert zu sein, denn wir stoßen auf scharenweise toter Quallen, die am Strand liegen und wir müssen höllisch aufpassen, auf keinen dieser „Flatsch“ zu treten. Wenn man davon aber mal absieht, ist die Lage herrlich. Besonders süß ist das kleine Inselchen, das auf halber Strecke auf dem Weg zwischen Skye und dem Festland liegt. Dort scheint es zumindest nichts zu geben, außer einem Haus, einem Leuchtturm und der Durchgangsstraße.

Bis wir einchecken können genießen wir jedenfalls die Sonne auf einer Bank am Strand. Schließlich soll das hier ein Urlaub und kein Stress werden. Um 17 Uhr kehren wir dann in unser Hostel zurück. Unsere Betten heißen diesmal Trotternish und Waternish, benannt nach zwei der Regionen auf Skye. Carsi ist damit aber wenig zufrieden. Sie will viel lieber in das Zimmer, in das der Herr vor uns eingecheckt hat: das Star Wars Zimmer. Tja, dumm gelaufen.

Da wir noch immer keine Bustickets für unsere weitere Reise haben und wir heute feststellen mussten, wie teuer die Fahrt wird, wenn man sie direkt beim Busfahrer kauft, leisten wir es uns für ein paar Minuten ins Internet zu gehen. Leider ist es selbst von Schottland aus nicht möglich Onlinetickets zu bestellen, was nicht gerade sehr hilfreich ist. Noch kurz E-mails checken, dann lass ich lieber mal Carsi an den Computer. Nach neun Tagen ohne Internet machen sich bei ihr schon die ersten Entzugserscheinungen bemerkbar, da will ich ihr mal lieber nicht im Weg stehen.

Nach dem Abendessen machen wir auch erstmals Bekanntschaft mit unseren beiden Zimmergenossen. Die zwei Jungs sind irgendwie ziemlich durchgeknallt, aber sie scheinen ganz ok zu sein.

Um 21 Uhr machen wir uns dann auf zum Pub, das ganz in der Nähe liegt. Angeblich soll es da heute Livemusik geben. Als wir allerdings ankommen kommt die einzige Musik, die den Raum erfüllt aus der Jukebox. Ansonsten scheint nicht viel los zu sein, außer ein paar Touristen bei ihrem Bier und zwei Mädels, die sich beim Billard duellieren. Deshalb bleiben wir auch nicht allzu lange und genießen stattdessen lieber auf dem Rückweg zum Hostel den Sonnenuntergang über der Bucht.

Entfernung: 77km

Donnerstag, 25. Juni 2009

Schottland

Halli Hallo! Es wird mal wieder Zeit für einen neuen Blogeintrag, diesmal in Form eines Reisetagebuchs. Gemacht hab ich die Reise zusammen mit einer Chat-Freundin, Carsi das Huschele^^. Was wir beide verrücktes angestellt haben, könnt ihr hier nun nachlesen. Der Urlaub ist jetzt schon knapp zwei Wochen her, aber ich bin vorher einfach nicht dazugekommen das Ganze zu bloggen. Hier ist also der erste Schwung Berichte und Fotos:


1. Tag: Samstag, 30. Mai 2009

Die ersten Minuten des Tages fangen eigentlich ganz harmlos und relaxt an. Strahlend blauer Himmel und warmer Sonnenschein begrüßen mich, als ich aus dem Fenster sehe. Genau der richtige Tag, um zu verreisen. Aber ausgerecht diese Tatsache sorgt schon mal für das erste Problem: bei diesem Wetter muss eindeutig eine luftigere Reisebekleidung her, die schlauerweise irgendwo tief unten in meinem Rucksack steckt. Da bleibt nichts anderes übrig außer alles raus und dann alles wieder rein.

Puh, nach dieser anstrengenden Umpackaktion geht der Stress gleich weiter. Nicht nur, dass meine Mum unbedingt noch einen Aufsatz von mir durchlesen muss, der heute noch per Mail weg muss, nein es kommen auch noch diverse andere Aufregungen hinzu: mein Kater Diego macht einen unerlaubten Ausflug und muss wieder eingefangen werden, Grünabfälle müssen unbedingt noch weggebracht werden, eine verzweifelte Suche nach einem Kofferanhänger beginnt, das Guthaben beim Handy muss aufgeladen werden, dann noch ein „schneller“ Abstecher zum Edeka, um verschiedene Kleinigkeiten zu besorgen und zu guter Letzt wird man noch fast vom Rucksack erschlagen.

Nach einem Mittagsimbiss geht es dann endlich los. Ich schultere meinen scheinbar tonnenschweren Rucksack auf, hänge mir die fast ebenso schwere Umhängetasche um, noch ein Abschiedsgruß an meine Oma und meinen Kater und dann startet Taxi Mama mit mir nach Waldshut zum Bahnhof.

Wer die Bahn kennt, der weiß, dass an dieser Stelle das große Aber kommt. In diesem Fall teilt man uns mit, dass der InterRegio, der eigentlich bis nach Ulm durchfahren sollte, ausnahmsweise heute nur bis Friedrichshafen fährt. An sich braucht mich das wenig zu kümmern, weil ich sowieso nur bis Schaffhausen fahren muss. Verwirrung entsteht erst, als jemand aus der unverständlichen Durchsage herauszuhören glaubt, dass der Zug nur bis Tiengen (also eine Station weiter) fährt und wir dort auf einen Bus umsteigen müssen. Bei dem knappen Anschluss, den ich erreichen muss, kann ich mir sowas wirklich nicht leisten.
Zum Glück stellt sich das aber als Falschmeldung heraus und ich kann bis Schaffhausen mitfahren. Ich finde sogar einen Sitzplatz für mich und mein „bisschen“ Gepäck. Nachdem wir Schaffhausen pünktlich erreicht haben und ich wie geplant ein paar Minuten später im ICE nach Stuttgart sitze, ist die erste Aufregung erst mal vorbei. Jetzt wird’s erst mal Zeit für einen kleinen Snack.

Alles läuft nach Plan. Der Zug kommt pünktlich an, ich erreiche spielend die S-Bahn und um 14.45 Uhr erscheine ich wie abgemacht am Meeting Point B am Flughafen. Nur…wo ist Carsi? Noch kein Grund zur Sorge. Immerhin wohnt sie ja auch ein ganz schönes Stück weg.
Als 20 Minuten später aber immer noch niemand da ist, werd ich langsam ungeduldig. Umso verwirrter bin ich, als mich eine SMS mit dem Satz erreicht: „Wo bist du?“. Verwirrt seh ich mich um und prompt erspähe ich Carsis Dad, der mich dann zu den anderen führt. Schlauerweise ein Stockwerk weiter oben.

Endlich alle vereint geht es ans Einchecken. Das ist aber alles andere als einfach. Was ist nur aus den guten alten Check-In-Schaltern geworden? Stattdessen dürfen wir uns mit einem Automaten herumschlagen, dem wir auf sämtliche Fragen Rede und Antwort stehen müssen. Und zum krönenden Abschluss spuckt er nur meine Boardkarten aus, nicht aber die von Carsi. Wunderbar! Soviel zum Thema, mit der Technik wird alles einfacher.

Nachdem auch dieses Problem geklärt ist und wir brav unser Gepäck gewogen haben (13,2 kg), schleppen wir die Rucksäcke noch zum Sperrgepäckschalter, dann haben wir sie endlich los. Bleibt zu hoffen, dass wir sie in Edinburgh auch wiedersehen.
Ohne das Gewicht auf dem Rücken, geht es doch gleich viel einfacher. Nachdem auch Carsi sich von ihrer Familie verabschiedet hat, lassen wir uns und das Handgepäck noch durchchecken, ehe wir am Gate auf unseren Flug warten.

Amsterdam, wir kommen. Der Flug geht flott voran und um 19 Uhr sind wir auf unserer Zwischenstation. Um den Flughafen zu verlassen, reicht es natürlich nicht. War wohl nichts mit Tulpen und Coffee Shop.^^ Nach einer Runde durch die Shops, einem Drink und der genauen Beobachtung der Kofferverladung, geht die Reise um 21 Uhr weiter.

Auch der Flug über die Zeitzone hinweg ist bald wieder vorbei und langsam werden wir auch immer müder. Kein Wunder, bei diesem Mini-Jet-Lag. Heil in Edinburgh angekommen ist die Spannung groß: Ist das Gepäck da oder nicht?Ja, wir können aufatmen, es ist angekommen, allerdings verraten uns die gelben Zettelchen schnell, dass die Bundespolizei es offenbar für nötig gehalten hatte, unsere Rucksäcke zu durchsuchen.

Voll bepackt halten wir Ausschau nach dem Bus zur Innenstadt und müssen dabei noch einen kleinen Sprint zurücklegen, um ihn noch zu erreichen. Mit unseren Rucksäcken muss das aber eher aussehen, wie zwei Pinguine, die unbeholfen übers Pflaster watscheln.
Mittlerweile geht es schon auf die Mitternacht zu, als wir auf der Waverley Bridge ankommen. Nun muss nur noch ein Fußmarsch bis zum High Street Hostel zurückgelegt werden. Zum Glück kann man dort 24 Stunden lang einchecken, sodass alles glatt läuft und wir unsere Betten beziehen können.Unsere Mitbewohner schlafen natürlich schon, weshalb wir uns möglichst leise hineinschleichen und es uns dann in unseren Betten mit Namen „Amsterdam“ und „Berlin“ bequem machen.



2. Tag: Sonntag, 31. Mai 2009

Schlafen war in dieser Nacht nicht so einfach. So günstig eine zentrale Lage der Unterkunft auch ist, man sollte nie das Nachtleben vergessen, dass sich offenbar direkt vor unserem offenen Fenster abgespielt haben muss. Deswegen bin ich auch noch recht verschlafen, als wir um halb 8 aus den Federn kriechen. Das mit dem runter klettern vom Stockbett muss ich wirklich auch noch üben. Aber wenn man bedenkt, wie oft ich noch in einem solchen übernachten werde, werde ich dazu auch noch genug Gelegenheit finden.

Man lernt doch immer wieder dazu; auch, dass sich Duschen in Wandschränken verstecken können. Das klingt jetzt sicher seltsam, ist in diesem Hostel aber der Fall. Betrete den gemeinschaftlichen Waschraum, wende dich nach links und öffne eine dieser so typischen Schranktüren. Du wirst sehen, dich empfängt tatsächlich ein Duschkopf.

Als nächstes geht es zum Frühstück. In diesem Hostel kann man sich für wenig Geld mit allem versorgen was man will. Ich entscheide mich heute für Cornflakes und Orangensaft, bevor wir uns auf den Weg machen, Edinburgh unsicher zu machen.
Unser Weg führt uns die noch recht ruhige High Street – auch Royal Mile genannt – hinauf zum Castle. Noch sind wir etwas früh dran und müssen noch etwas warten, bis es seine Toren für uns gierige Touristen öffnet.

Gemessen an dem, was in der Hochsaison an Besucherandrang zu erwarten ist, haben wir noch relativ viel Glück mit den Leuten, die in den unmöglichsten Momenten genau dort hinrennen, wo man gerade ein Foto machen will. Dennoch merkt man schnell, dass das Edinburgh Castle nicht umsonst eines der berühmtesten Attraktionen Schottlands ist. Hin und wieder begegnen uns Gruppen, die von Männern in Kilt angeführt werden. Diese veranstalten in regelmäßigen Abständen lebendige Führungen durch das Castle. Carsi und ich erkunden die Gegend aber lieber auf eigene Faust. Eine Höhepunkt dabei sind zweifellos die Reichsinsignien (Krone, Zepter und Schwert), die man natürlich nicht fotografieren darf.


Nachdem wir die Burg hinter uns gelassen haben, wird’s Zeit für das Mittagessen. Zunächst versorgen wir uns bei einem Newsagent mit Wasser, bevor mich Carsi zur „Gebackenen Kartoffel“ führt. Dort gibt es Kartoffeln mit verschiedenen Beilagen. Alles, was das Herz begehrt. Eigentlich das Paradies, aber für jemand wie mich, die sich so schwer entscheiden kann, fast die Hölle.Nachdem ich lange die Karte studiert habe, entscheide ich mich für die Pilze im Sauerrahm, während ich fasziniert beobachte, wie ein französisches Paar den Haggis wählt. Ob die wirklich wissen, was das ist?

Gestärkt machen wir uns auf den Weg zum Calton Hill und dem dazugehörigen Friedhof. Auch wenn es wahrscheinlich steilere Berge gibt, in diesem Fall sträuben sich die Kartoffeln in unseren Mägen, den Hügel hinaufzurollen.Oben angekommen merkt man aber schnell, dass sich die Anstrengung gelohnt hat. Denn man kann nicht nur die Monumente hier oben bestaunen – von denen eines (wie soll es anders sein?) natürlich eingerüstet ist – sondern hat auch einen herrlichen Blick über die Stadt.

Nachdem wir wieder die Treppen hinunter gerollt sind, geht die Tour weiter zum Holyrood und dem gegenüberliegendem Schottischem Parlament. Nein, das hat rein gar nichts mit Filmen zu tun, sondern ist eine Residenz, in der hin und wieder die königliche Familie verweilt. In dem dazugehörigen Park ruhen wir uns erst mal ein bisschen im Schatten aus.Mittlerweile sind es satte 27 Grad geworden und da soll noch einer behaupten, Schottland wäre nass und kalt. Stattdessen müssen wir aufpassen, dass wir uns nicht noch einen Sonnenstich holen.

Die High Street wieder hinauf, am Canongate vorbei, ist unser nächstes Ziel der St. Andrew Square. Dort befindet sich nämlich die Station für den Scottish Citylink Bus. Mit diesem gelangt man nämlich am einfachsten – wenn auch nicht unbedingt am billigsten – von einer Stadt zur nächsten. Clever ist es, die Tickets möglichst schnell zu buchen (sollte es irgendjemand einmal schaffen ein Onlineticket zu bestellen, soll er bescheid sagen!!!), weil sie dann billiger sind. Nichts ist teurer als die Fahrkarte direkt beim Busfahrer zu kaufen.

Ausgestattet mit den ersten Tickets für Inverness und Ullapool machen wir uns auf den Weg zum Hostel. Es ist Sonntag, das heißt „Burger Night“ im High Street Hostel.Tja, denkste! Als wir zur ausgeschriebenen Zeit in der Küche sind, sind weit und breit keine Burger zu sehen. So eine Frechheit! Also bleibt uns nichts anderes übrig, als uns bei unserem beliebten Newsagent ein Sandwich zu kaufen.Also, Merkzettel: unbedingt Sachen zum Selberkochen einkaufen, damit man sich auf sowas nicht mehr verlassen muss.

Ungefähr zeitgleich mit unseren Zimmergenossen, machen wir uns fertig fürs Bett. Entgegen aller Befürchtungen, sind unsere Mitbewohner eigentlich ganz in Ordnung. Sowohl das deutsche Pärchen von Nebenan, wie auch die beiden asiatischen Mädchen im Bett gegenüber wissen sich zu benehmen. Bleibt nur zu hoffen, dass es heute Nacht leiser auf der Straße zugeht.

3. Tag: Montag, 1. Juni 2009

Frisch fröhlich starten wir den Tag um 8 Uhr. Ein Glück, dass ich doch noch meine Dreiviertelhose eingepackt habe, denn heute lohnt sie sich zweifellos. Noch brav den Hut aufgesetzt, dann kann es losgehen.

Unser Weg führt uns über die South Bridge zur Nicolson Street. Dass das Alltagsleben in diesem Teil der Stadt vorherrschend ist erkennt man daran, dass man hier weit weniger Touristen trifft, als auf der belebten Royal Mile. An der Universität wären wir beinahe vorbeigelaufen, doch als wir uns nochmal umwenden, entdecken wir sie; zumindest einen Teil davon. Wenn man dem Stadtplan trauen darf, dann verteilen sich die Gebäude der Universität über den gesamten Südosten der Stadt.

Wieder zurück im Herzen des Touristenzentrums nutzen wir die High Street, um über die George IV Street zum Grassmarket zu kommen. Auf diesem alten Marktplatz ist noch heute die Stelle markiert, an der einst ein Galgen stand. Drumherum findet man allerhand Restaurants und Pups, die zu dieser frühen Stunde eifrig die Fenster putzen und von Lieferwagen versorgt werden.

Von der westlich gelegenen Kings Stable Road hat man einen einzigartigen Blick zum Castle hoch oben auf dem Felsen. Diesen Blick kann man noch mehr genießen, wenn man einen Spaziergang durch die West Princes Street Gardens macht; ein Park direkt am Fuße des Castles.
Unklugerweise verläuft mitten durch diesen Park die hiesige Eisenbahnlinie und aus irgendeinem Grund haben die Leute wohl beschlossen uns zu ärgern, denn als wir dem Weg folgen geraten wir zunächst in eine Sackgasse. Alle Zugänge zum größeren Teil auf der anderen Seite der Bahnlinie werden uns verwehrt, also bleibt uns nichts anderes übrig, als umzukehren und die Brücke gleich am Anfang des Parks zu überqueren.

Hier sieht die Sache doch gleich ganz anders aus. Bänke reihen sich entlang des Weges, Leute sonnen sich auf den grünen Wiesen und ein großer Springbrunnen plätschert munter vor sich hin. Kein Wunder, dass alle relaxen, denn heute ist das Thermometer sicher schon längst auf 30 Grad geklettert. Brauner wird man im Spanienurlaub sicher auch nicht; oder in Carsis Fall wohl eher rot^^.

Wir lassen uns davon nicht beirren und hecheln stattdessen zur Royal Scottish Acadamy und der National Gallery hinauf. Wer einen Faible für Kunst hat, sollte dort einen Blick hinein werfen, wir hingegen bevorzugen es, die Gebäude von außen zu betrachten und den wunderschönen Blick über die Stadt zu genießen.

Weiter geht es in die New Town zum St. Andrew Square. Ja, ihr erinnert euch richtig, da waren wir gestern schon, aber da hatten wir nur unsere Bus Tickets im Sinn. Heute schenken wir unsere Aufmerksamkeit aber viel mehr der großen Säule mit dem Standbild und der grünen Wiese, auf der man wunderbar die Sonne genießen kann. Carsi weigert sich aber noch immer ihre Sonnenbrille abzunehmen. Tja, dafür scheint es ohnehin schon zu spät zu sein, zumindest hat sie schon deutliche Spuren um die Augen rum hinterlassen. Der Waschbärlook lässt grüßen.^^

Was wäre ein Urlaub ohne Gerüst und Baustellen? Nachdem man uns schon gestern das Nelsons Monument in einem schönen Gerüst präsentiert hat, müssen wir uns heute durch eine große Baustelle auf der Dublin Street schlängeln, um in den ersten Souvenirladen zu huschen.Dort gibt es ja sooo viele schöne Sachen! So viel, dass ich mich noch gar nicht entscheiden kann und deshalb mit leeren Händen heraus komme, während sich Carsi mit hübsch bedruckten Geschirrtüchern versorgt hat. Nein, das ist kein Witz, diese Geschirrtücher sind wirklich hübsch!

Ganz so zurückhaltend bin ich dann später aber doch nicht, als wir in die High Street zurückkehren und den nächsten Laden stürmen. Diesmal kann ich dem Charme eines kleinen Teddys im Kilt mit Dudelsack einfach nicht wiederstehen und so dudelt er eifrig ein „Scotland the brave“ vor sich hin, wann immer ich auf seinen Dudelsack drücke. Auch ein hübsches Fähnchen erstehe ich hier, das sich sicher schön an meinem Rucksack macht.

Nachdem wir unsere Errungenschaften im Hostel abgeliefert haben, machen wir uns auf Futtersuche. In der Princess Mall gibt es alles an Fast Food, was das Herz begehrt und weil ich ja von den lokalen Spezialitäten probieren will, entscheide ich mich für Fish&Chips. Zunächst bin ich zwar etwas skeptisch, was die Würzung angeht, aber schlussendlich muss ich sagen, dass es mit Salz und Essig echt lecker schmeckt, ehrlich!

Die High Street hält uns auch nach dem Mittagessen weiterhin in ihrem Bann. Um meine Pflichten als braver Urlauber zu erfüllen, kaufe ich noch ein paar Postkarten. Besser ich erledige das so schnell wie möglich. Man weiß ja nie, wie die Postlage in den Highlands ist. Auf unserem weiteren Weg kommen an einem Schwertladen vorbei. Da gibt es für Carsi natürlich kein Halten mehr. Ich muss zugeben, es gibt ein paar nette Stücke dort, aber sie macht ihre Drohung nicht wahr und wir kommen ohne eine scharfe Klinge wieder heraus.

Die letzte Sehenswürdigkeit für heute befindet sich an einer Verzweigung zwischen der George IV Bridge und der Candlemaker Row, in unmittelbarer Nähe zum Royal Museum of Scotland. Ich sage das deshalb so genau, weil sich dort das meistfotografierteste Motiv Edinburghs befindet, das nicht mal mit einem Wort in meinem Reiseführer erwähnt wird.Es ist niemand anderes als Greyfriars Bobby. Der Erzählung nach, soll der Hund nach dem Tod seines Besitzers die restlichen 14 Jahre seines Lebens nur noch am Grab seines Herrchens verbracht haben. Deshalb wird er bis heute für seine Treue hochgeschätzt. An seinem Grab im Greyfriars Churchyard türmen sich heute noch allerhand Kuscheltiere und Blümchen.

Am späten Nachmittag beenden wir schließlich unsere Besichtigungstour und machen uns auf den Weg zum Lidl (ja, auch Schottland ist nicht vor Lidl sicher). Dort versorgen wir uns erst mal mit ein paar Dingen, damit wir in der nächsten Zeit nicht hungern müssen. Nach einem kurzen Abstecher zum „Forbidden Planet“ (ein Laden, in dem es allerhand Fanartikel zu Science Fiction, Fantasy und Horror gibt) decken wir uns noch mit Trinken beim Newsagent ein.Wirklich seltsam. Nachdem wir zwei Tage lang wohl insgesamt sicher fünfmal in diesem Laden waren, war immer ein anderer an der Kasse.

Nichts ahnend machen wir uns auf den Weg zum Hostel. Wir haben schon allerhand Pläne, was wir den Abend noch alles machen wollen. Vor allem haben wir im Sinn, unseren Rucksack fertig zu packen, damit wir morgen gleich abreisen können. Aber als wir in unser Zimmer kommen, trifft uns fast der Schlag, oder genauer gesagt, wir werden förmlich betäubt von einer Mischung aus Käsefüße und Schweiß. Ursprung dieser Gestankwolke ist der kugelige Kerl, der es sich nur in Unterhose bekleidet (die ihm sicher zwei Nummern zu klein ist) in einem Bett gemütlich gemacht hat. Die Fenster sind natürlich fest geschlossen und die Vorhänge zugezogen.

Mühsam gelingt es uns gerade noch alles abzustellen und unsere Handys zu schnappen, bevor wir diesem Miefling entgehen und wieder auf den Gang flüchten. Dort befinden sich sowieso die einzigen Steckdosen. Unseren anderen Mitbewohnern geht es da nicht viel anders, auch sie haben Bedenken, wie sie die kommende Nacht ohne Gasvergiftung überstehen sollen.
Schlussendlich gibt es aber kein Entkommen mehr. Nachdem sich jemand erbarmt hat, die Fenster wieder zu öffnen, ist es zumindest soweit erträglich, dass man es auf einen Versuch ankommen lassen kann.

4. Tag: Dienstag, 2. Juni 2009

Um 7 Uhr ist es Zeit zum Aufstehen, schließlich wollen wir früh genug los, wenn wir die die 250km lange Strecke nach Inverness zurücklegen wollen. Wir haben tatsächlich die Nacht mit Dr. Mief überstanden! Schnell noch den Rest in den Rucksack gepackt und dann nichts wie raus hier.

Nach dem Frühstück marschieren wir zum St. Andrew Square und entdecken schnell den richtigen Bus. Offenbar müssen wir auf den Busfahrer einen ziemlich erschöpften Eindruck erweckt haben, denn als er die Gepäckklappe für uns öffnet grinst er uns eiskalt ins Gesicht: „Put the luggage in here – if you can.“Was soll denn hier bitte heißen „wenn ihr könnt“? Sehen wir wirklich so aus, als klappen wir gleich zusammen? Jedenfalls wuchten wir unsere Rucksacke ganz allein in das Fach und suchen uns dann ein Plätzchen im Bus.

Somit lassen wir Edinburgh also hinter uns. Bis Perth gabeln wir noch die ein oder anderen Fahrgäste auf der Strecke auf, dann geht es Non-Stopp Richtung Inverness. Die Sonne begleitet uns auch heute wieder, nur kurz nach Edinburgh geraten wir kurzzeitig auf der Brücke über den Firth of Forth in eine dicke Nebelsuppe.

Die Fahrt verläuft zunächst ganz unspektakulär über eine Autobahn und erst eine Weile nachdem wir Perth hinter uns gelassen haben, geraten wir auf engere Straßen, wo man die Landschaft umso mehr genießen kann. Besonders witzig anzusehen sind immer wieder die Schafe auf den nahe gelegenen Wiesen. Offenbar ist in diesen entlegenen Gebieten des Landes jeder Bus für sie ein Highlight des Tages.

Ansonsten begegnen uns natürlich viele Berge und hin und wieder auch ein paar Kühe. Dazwischen taucht ab und zu ein kleines Dorf auf. Alles wird natürlich ausführlich von uns gefilmt und fotografiert. Highlands wir kommen!

Auf der A9 geht es vorbei an Dunkeld und Pitlochry, wir überqueren den Pass of Drumochter und gelangen ins Tal des Spey. Da weiß man gar nicht, wo man als erstes hinschauen soll. Als wir uns nach etwa 3,5 Stunden schließlich Inverness nähern, wird es schlagartig trüber. Offenbar haben wir das schöne Wetter zu früh gelobt. Als wir aussteigen ist die Hauptstadt der Highlands in Wolken gehüllt und es ist auch längst nicht mehr so warm wie in Edinburgh.

Nachdem wir unsere Rucksäcke haben, müssen wir uns dem nächsten Problem widmen: wo ist eigentlich unser Hostel? Zwar haben wir eine Adresse, aber dafür brauchen wir erst noch einen Plan. Den finden wir zwar an der Bus Station, allerdings wird man aus diesem nicht ganz schlau, sodass wir zunächst in die verkehrte Richtung laufen (eine Angewohnheit, die uns während des gesamten Urlaubs immer wieder verfolgt). Als wir dann die richtige Straße gefunden haben, suchen wir vergeblich nach Hausnummern. Deshalb – wie soll es anders sein? – schlagen wir auch hier zunächst die verkehrte Richtung ein, ehe wir umkehren und endlich fündig werden.


Das Highlander Hostel liegt eigentlich sehr zentral, direkt in der Highstreet. Leider wirken die mit Reklame verhangenen Fenster und der versteckte Eingang, in einem Durchgang wenig einladend, aber wenn man erst mal drin ist (was Anfangs ohne den Türcode gar nicht so einfach ist), ist es drinnen eigentlich ganz nett.

Leider sind wir noch zu früh, denn man kann erst ab 14 Uhr einchecken. Wir dürfen aber unsere Rucksäcke dalassen und können uns also auf den Weg machen, um Inverness zu erkunden. Zuvor muss aber unser hungriger Magen besänftigt werden, weswegen wir uns einen Imbiss in einer Shopping Mall gönnen (Randbemerkung: die Damen beim Burger Express sind nicht unbedingt die hellsten).

Gestärkt ist unser nächstes Ziel die Tourist Info gleich neben dem Rathaus, dort kann man sich nämlich mit allerlei Flyern versorgen. Am River Ness spazieren wir weiter, um uns einen ersten Eindruck von der Umgebung zu machen. Inverness ist natürlich um einiges kleiner als Edinburgh und nicht ganz so stark touristisch geprägt, aber wenn man es genauer unter die Lupe nimmt, entdeckt man einige hübsche Fleckchen, besonders am Fluss entlang, etwa die große St. Andrews Kirche, die fast ein bisschen wie Notre Dame in Kleinformat wirkt.

Bevor wir uns dem Castle widmen, das auf der höchsten Erhebung der Stadt thront, kehren wir erst noch ins Hostel zurück, um unser Zimmer zu beziehen. Offenbar gibt es dieses Hostel noch nicht so lange, oder es ist erst kürzlich renoviert worden, denn alles wirkt noch recht neu und jedes Schloss funktioniert mit einem Zahlencode.

Das Zimmer ist recht unspektakulär und die Metallbetten sind recht gewöhnungsbedürftig, dafür haben wir aber ein eigenes Bad. Die Schließfächer taugen allerdings wenig. Es sind eher kleines Gitterkästchen, an denen das Schloss fehlt. Ein solches kann man sich dort gegen Gebühr leihen, aber zum Glück sind wir darauf schon vorbereitet gewesen und nutzen unser Kofferschloss.

Nachdem wir unsere Betten bezogen haben, gehen wir endlich „castlen“. Leider ist auch das eine Täuschung, denn das große Schloss beherbergt kein Museum, sondern Verwaltungsbüros, weshalb wir nicht rein dürfen, sondern das Gemäuer nur von außen betrachten können. Dafür hat man von hier oben aber einen ganz tollen Blick auf die Stadt.

Auf dem Vorhof ragt eine große Statue von Flora MacDonald, Schottlands Nationalheldin, empor und wenn man dieser Straße hinunter folgt, gelangt man wieder an den Fluss. Jetzt haben wir auch genug Zeit für einen ausgiebigen Spaziergang, den wir nur jedem empfehlen können, der Inverness einmal besucht. Im River Ness befinden sich nämlich kleine, bewaldete Inselchen, die allesamt mit Brücken untereinander verbunden sind. Es macht wirklich Spaß dort durchzulaufen und dann am Ufer entlang wieder zurück zur Innenstadt zu schlendern.


Leider haben wir total die Zeit vergessen und müssen uns jetzt sputen, um noch etwas aufzutreiben, das wir heute kochen können. Ganz versteckt in einer Gasse finden wir schließlich einen recht günstigen Supermarkt, wo wir uns mit Fertigfutter eindecken. Jetzt steht dem Abendessen eigentlich nichts mehr im Wege.

Denkste! Als wir die Hostelküche inspizieren kommt der Schock: Gasherde! Und natürlich verfügen wir nicht über Streichhölzer. Auch ein Sprint zum Supermarkt nutzt nichts, denn so etwas führen sie offenbar nicht in ihrem Sortiment. Ansonsten haben bereits alle Läden geschlossen und wir fürchten schon, verhungern zu müssen, als wir zurück in der Küche feststellen, dass es auch ohne Streichhölzer funktioniert.

Peinlich, peinlich. An so etwas sind wir Elektroherdverwöhnte einfach nicht gewohnt, aber zumindest ist so das Abendessen gesichert. Zwar haben wir kein Salz für die Nudeln, aber wir versuchen mit einer Tomatensoße Geschmack hineinzubringen. Gedankliche Notiz: Morgen unbedingt Salz kaufen.

Als wir in unser Zimmer kommen, stellen wir erfreut fest, dass wir immer noch ganz allein in dem 10-Bett Schlafraum sind. Meine Freude über das Zimmer hält aber nur so lange, bis ich versuche zu Duschen und bibbernd feststellen muss, dass es in diesem Bad offenbar kein warmes Wasser gibt. Also weitere Notiz: morgen eines der Bäder auf dem Gang benutzen!

Entfernung: 253 km

5. Tag: Mittwoch, 3. Juni 2009

Wir haben uns zu früh gefreut. Als wir eingeschlafen sind, waren wir noch so glücklich, dass wir das Zimmer für uns haben. Um halb 12 war die Ruhe dann vorbei, als vier deutsche Jungs polternd und labernd das Zimmer stürmten, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, dass es tatsächlich Leute gibt, die um diese Zeit schlafen wollen. Naja, zumindest waren sie schon so dicht, dass sie nach dem Aufruhr ziemlich schnell eingeschlummert sind.

Auch das Wetter kann sich heute nicht richtig entscheiden. Als wir aufwachen lacht noch die Sonne herein, doch schon nach dem Frühstück bedeckt sich der Himmel wieder, sodass ich noch einen schnellen Hosenwechsel vornehmen muss.

Heute geht es zu einem kleinen Ausflug zum Schlachtfeld von Culloden. Dort fand 1746 die letzte Schlacht zwischen Schotten und Engländern statt, die für die Schotten in einem Desaster endete. Heute befinden sich dort die Gedenksteine der Clans und ein dazugehöriges Museum. Leider haben wir uns mit Zeit etwas verschätzt, sodass wir noch eine halbe Stunde auf den nächsten Bus warten müssen. Zeit genug also, dass ich noch schnell ins Hostel zurückhuschen und meine Schuhe wechseln kann. Sandalen sind bei diesem unbeständigen Wetter wohl wirklich fehl am Platz.

Bus fahren ist schon ein Abenteuer, vor allem wenn man keinen Plan hat, wo man eigentlich aussteigen muss. Kaum ist man aus der City draußen, sind Bushaltestellen lediglich mit einem kleinen Schildchen markiert, wenn man Glück hat gehört noch ein Wartehäuschen dazu, aber nirgendwo ist der Name der Haltestelle zu finden. Kein Wunder, dass Carsi und ich förmlich mit der Nase am Fenster kleben und unruhig im Sitz hin und her rutschen.„Glaubst du wir sind schon vorbei?“; „Ist das wohl Culloden?“; „Da vorne ist eine Wiese, das könnte es sein. Ach nein, doch nicht.“; „Ich glaube wir habens verpasst.“

Hätten wir geahnt, was das für ein riesiges Visitor Centre ist, hätten wir diese Sorgen nie gehabt. Tatsache ist, dass wir NICHT vorbeigefahren sind, weil wer da dran vorbeifährt, ist wahrscheinlich blind. Das Culloden Battlefield ist nicht zu übersehen, zumindest nicht der große Parkplatz und das riesige Visitor Centre.

Sogar Studentenrabatt gibt es und der nette Herr an der Kasse gewinnt sowieso bei mir Sympathiepunkte, als er meinen Studentenausweis inspiziert und meint: „I know where Basel is.“Das Visitor Centre ist wirklich interessant. Es erzählt auf eindrückliche Weise die Geschichte von Bonnie Prince Charlie, der damals versucht hat mit Hilfe der schottischen Clans die Engländer zu besiegen und König zu werden. Leider scheiterte dieses Vorhaben mit der verheerenden Schlacht von Culloden, doch die Schotten verehren ihn heute noch immer sehr.

Nachdem man sich ausgiebig über diese Ereignisse informiert hat, geht es auf das Schlachtfeld hinaus. Dort markieren heute blaue und rote Fahnen, wo sich die Frontlinie der beiden Rivalen befand. Dazwischen tauchen immer wieder kleine Gedenksteine auf, die die Namen der Clans tragen. Im Zentrum ragt ein großes Denkmal aus Stein auf und markiert damit praktisch den Mittelpunkt. Mag sein, dass es an dem verhangenen Himmel liegt, aber wenn man so über das weite Feld marschiert, glaubt man eine merkwürdige Atmosphäre zu spüren. Kein Wunder wenn man bedenkt, dass man hier praktisch über ein Massengrab läuft.

Als wir zurück zum Parkplatz laufen, sind wir leider einen Schritt zu langsam, sodass uns der Bus vor der Nase weg fährt. Irgendwie haben wir heute wirklich kein Timing. Dann verweilen wir uns eben noch ein bisschen im Souvenirshop und statten der Toilette einen Besuch ab, ehe wir den nächsten Bus erwischen.

Mittagessen gibt es heute im Restaurant zur goldenen Möwe (=McDonalds) und anschließend statten wir dem Museum am Fuße des Castles, gleich hinter Tourist Info, einen Besuch ab. Das Schöne in Schottland ist, dass man in den großen Museen meist gar keinen Eintritt bezahlen muss. In diesem Fall ist es zumindest so. So lernen wir also an diesem Nachmittag noch viel über die Geschichte der Highlands, angefangen von der Steinzeit bis zur Moderne.


Vor dem Abendessen müssen wir unbedingt nochmal in den Supermarkt und Salz kaufen. Offenbar scheint es in Großbritannien nicht üblich zu sein, die Fertiggerichte auch fertig zu würzen. Heute gibt es Reis mit Süß-Sauer-Soße und als Nachtisch ein paar Trauben, wobei ich stets ein Auge auf die Trauben haben muss, bevor Carsi sie mir wegfuttert, ehe ich mich versehe^^.

Als wir zurück ins Zimmer kommen, sind unsere rebellischen Zimmergenossen noch ausgeflogen. Kein Wunder, denn sie sitzen ja unten im Speiseraum und haben gerade ihr Bier ausgepackt. Umso besser, dann haben wir unsere Ruhe. Duschen tu ich heut lieber in einem der Bäder auf dem Gang, wo die Dusche zwar warm, aber unberechenbar ist. Naja, zumindest komm ich diesmal nicht als Eisklotz raus.