Tag 5: Ägyptisches Museum (Dienstag, 26. Januar 2010)
Um 7.45 Uhr klingelt der Wecker. Wie schön, das ist ja fast schon ausschlafen! Beim Frühstück ist heut irgendwie alles etwas anders: der Tisch ist schon tip-top gedeckt als wir kommen, es gibt eine Aprikosenmarmelade, die tatsächlich nach Aprikosen schmeckt, der Saft schmeckt anders und die Bedienung ist so freundlich und aufmerksam wie noch nie.
Um 9 Uhr marschieren wir durch Downtown in Richtung Museum. Im Grunde ist der Weg gar nicht so weit und wenn wir zugelaufen wären, hätten wir es wohl in einer guten halben Stunde geschafft. Aber wir sind ja schließlich hier, um uns etwas anzusehen, also lassen wir uns Zeit und betrachten die Architektur.
Unterwegs kommen wir am Midan Talaat Harb vorbei, einem Platz um den sich Restaurants, Geschäfte und Reisebüros scharen. Dort befindet sich auch das Café Groppi, eines der ältesten Kaffeehäuser des Orients, gegründet von einem Schweizer Ende des 19. Jahrhunderts. Heute hat es leider seinen Glanz verloren. Trotzdem lohnt sich ein Blick hinein und für uns als Studenten einer schweizer Universität ist das praktisch schon Pflicht.
Der Weg führt uns weiter bis zu dem großen Platz, wo uns das Ägyptische Museum schon gleich mit seiner orangen Fassade empfängt. Doch bevor wir uns auf die vielen Exponate freuen dürfen, müssen wir es noch irgendwie schaffen, die 6-spurige Straße zu überqueren. Also Kinder, niemals nachmachen, schon gar nicht hier in good old Germany! Kairo ist wohl so ziemlich die einzige Stadt bei der das funktioniert und lasst euch nicht vom Hupen erschrecken, das machen sie sowieso, egal ob ihr ihnen fast auf der Kühlerhaube klebt oder nicht.
Als alle unbeschadet angekommen sind, müssen wir erst mal noch zwei Sicherheitskontrollen über uns ergehen lassen. Somit wären wir zumindest schon mal in dem kleinen Vorgarten, wo fotografieren noch erlaubt ist. Das Museum ist wohl noch eines der am meist gesichertsten Touristenorte in Ägypten. Kein Wunder bei der Popularität und den Bedrohungen, die immer wieder aufflammen. Nachdem wir unsere Fotoapparate abgegeben haben und mit dem Gruppenticket den Eingang passiert haben, müssen wir noch einen letzten Sicherheitscheck über uns ergehen lassen. Dieser ist vor allem dazu da, um zu verhindern, dass Fotoapparate ins Museum gelangen. Prompt fischen sie mich raus und wollen mir unterstellen, ich hätte einen dabei. Nachdem sie aber einen Blick in meinen Rucksack geworfen haben, ist alles wieder in Butter.
Jetzt können wir uns also in unser Vergnügen stürzen. In kleinen Gruppen ziehen wir nun los, denn ab 5 Personen gilt man als Gruppe und ist verpflichtet, einen Audio Guide mitzunehmen. Immer diese Vorschriften! Wir lassen uns jedenfalls jede Menge Zeit, uns alles anzusehen. Den Vormittag verbringen wir im Untergeschoss, wo vor allem Reliefs, Malereien und Steinfiguren ausgestellt sind. Dabei wird schön chronologisch vorgegangen. Immer wieder schön ist es, ein Objekt zu entdecken, dass wir bereits im Rahmen von Uni-Veranstaltungen kennengelernt haben.
Ich will hier nur mal ein paar Beispiele nennen: die Narmer-Palette, die Städtepalette, der Kamm des Djed, die Serdab-Statue des Djoser, die Statue des Chephren, das Figürchen des Cheops, der Schatz der Hetepheres, Rahotep und Nofret, die Meidum-Gänse, der Zwerg Seneb, die hölzerne Scheintür des Ika, die Triaden des Mykerinos, die Sphingen des Amenhotep, die Armana-Abteilung, und so weiter und so fort. Ich könnte noch ewig so weiter machen.
Das Ägyptische Museum ist wirklich riesig und man wird fast erschlagen von so vielen Objekten. Was ihm leider fehlt, ist ein modernes Museumskonzept. Manchmal ist weniger eben doch mehr und wenn man manchmal sieht, wo noch irgendwo ein Fundstück hingequetscht wurde oder sogar etwas in das Gebäude hinein verbaut wurde, dann läuft es einem manchmal kalt den Rücken runter. An Beschriftungen mangelt es leider (sofern es nicht zu den Prunkstücken gehört, was in 70% der Fall ist) und wenn sich doch mal irgendwer erbarmen würde die Fenster zu putzen, wäre das schon eine große Hilfe.
Gegen Mittag haben wir das Untergeschoss abgeklappert und gönnen uns eine Pause in der hiesigen Cafeteria. Hier genehmige ich mir ein waschechtes Fast-Food-Menü: Cheesburger mit Pommes und Cola. Ein bißchen können sich die Füße erholen, dann treffen wir uns alle wieder vor dem Eingang, damit wir gemeinsam wieder mit dem Gruppenticket zum zweiten Teil übergehen können. Diesmal verläuft der Sicherheitscheck reibungslos (wahrscheinlich, weil ich diesmal das Handy aus dem Rucksack genommen hab) und wir können uns dem Obergeschoss widmen. Dieses besteht zu fast der Hälfte aus dem Schatz des Tutanchamun, was natürlich die Besuchermassen anzieht, vor allem natürlich die Goldmaske.
Bis wir den Schatz bestaunt heben, ist es schon fast halb 5. Allmählich lässt die Konzentration nach und die Füße werden immer müder. Die letzte Stunde verbringen wir also noch damit die Nebenräume abzuklappern, in denen es etwas ruhiger ist. Aber viel können wir davon nicht mehr wirklich aufnehmen. Zudem wird es allmählich dunkel und die Lichtverhältnisse sind nur noch sehr dürftig. Offenbar liegt der Schwerpunkt ohnehin auf Tutanchamun und der Rest wird mehr oder weniger vernachlässigt.
Um 17.30 Uhr treffen wir uns wieder vor dem Museum, um zusammen unsere Fotoapparate abzuholen. Wir beschließen unseren trockenen Museumstag mit einem Abstecher ins Groppi zu belohnen. Dort weiß man gar nicht, was man an Süßigkeiten alles probieren soll. Nachdem wir alle unser Baklawa verspeist und unseren Tee bzw. Kaffee getrunken haben, schlendern wir zurück zum Hotel, um uns erst mal auszuruhen.
Nichts geht mehr auf die Füße, als ein Tag im Museum. Aber es hat wirklich sehr viel Spaß gemacht.
Zum Abendessen treffen wir uns alle um 20 Uhr in der Lobby, um ins Alfy Bey zu gehen. Schon im ersten Moment überkommt mich der Verdacht, dass es hier nicht gerade billig ist, aber man muss sich ja mal etwas gönnen, oder nicht? Nach einem Blick in die Karte wird auch schnell klar, dass die Preise doch noch akzeptabel sind und das Essen ist wirklich ausgezeichnet.Unserer guten Stimmung wird erst ein Dämpfer verpasst, als wir die Rechnung bekommen. Erster Knackpunkt ist, dass sie nur auf arabisch ist und nachdem wir nochmal einen Blick in die Karte geworfen haben, jeder seinen Betrag + 22% Steuer gezahlt hat, da fehlen noch immer über 100 Pfund. Verwirrung pur, was ist hier los? Heinz fasst sich ein Herz, setzt sich mit dem Oberkellner zusammen und kontrolliert nochmal alles. Bald wird klar: die Vorspeise, die wir eigentlich gar nicht bestellt haben und von der wir dachten, dass es dazu gehört, wurde mit berechnet, das Brot nochmal extra dazugezählt und auf alles nochmal die Steuern erhoben. Im Grunde lief alles korrekt, doch in Ordnung war das nicht. Nachdem wir also alle nochmal drauf gelegt haben, ist alles geklärt. Doch eins ist sicher, ein Stammlokal wird das nicht.
Sonntag, 31. Januar 2010
Tag 6: Meidum und Dashur (Mittwoch, 27. Januar 2010)
Es ist kaum zu fassen, als der Wecker um 6.45 Uhr klingelt, aber es muss leider sein. Nachdem wir uns alle mit Frühstück gestärkt und mit Wasser vom Kiosk versorgt haben, überwiegt jedoch die Aufregung. Heute geht es nach Meidum und Dashur, zwei interessante Orte, die sonst in keinem der üblichen Touristenrouten enthalten sind.
Zunächst gibt es aber noch ein paar Startschwierigkeiten. Nicht nur, dass die Straßen der Innenstadt vollgestopft sind und wir noch einen Zwischenhalt einlegen müssen, damit Melanie und Hassan unser Picknick einkaufen können, nein, wir müssen schließlich auch noch warten, bis der Bus aufgetankt wurde.
Dann aber kann es wirklich losgehen. Ich hab mich im Hotel extra zweimal versichert, dass diesmal der Fotoapparat dabei ist, denn das will ich wirklich nicht versäumen.
Fast eine Stunde lang fahren wir durch die Wüste. Unterwegs begegnet uns nichts, als ein paar zerfallene Häuser, hin und wieder eine Tankstelle und auch mal eine einsam wirkende Moschee. Leichte Bedenken kommen uns, als der Bus plötzlich zu spinnen anfängt. Die Vorstellung hier irgendwo festzustecken wäre alles andere als rosig.
Schlussendlich fängt sich aber unser Bus wieder und wir kommen sicher gegen halb 11 in Meidum an. Hier steht die erste der drei Pyramiden des Snofru, dem Vater Cheops‘. Er war der erste, der eine „echte“ Pyramide bauen ließ, allerdings brauchte er dafür mehrere Anläufe. Von der Pyramide von Meidum ist heute nur noch der stufenförmige Kern erhalten, weshalb sie eigenartig aussieht. Aber allein die Tatsache, dass wir die einzigen auf dem Gelände sind (mal abgesehen von mind. genauso vielen Wachsoldaten) macht die ganze Sache noch viel aufregender. Hierher verirren sich nicht viele Touristen, obwohl es ein sehr eindrückliches Bauwerk ist.
Nachdem wir die Pyramide einmal umrundet haben und uns das dazugehörige Stelenheiligtum angesehen haben, geht es hinein. Spätestens jetzt wird klar, dass hier nicht sehr viele Leute herkommen. Der Schacht selbst ist zwar sympathisch groß, sodass man sich nicht zu sehr den Rücken verrenken muss, aber weil immer mal wieder das Geländer aufhört, wird der Abstieg ganz schön aufregend. Das Tolle ist aber, dass wir Fotos machen dürfen, so können wir unser Erlebnis gut festhalten.
Als wir dann hechelnd wieder herauskommen, ist es schon wieder Zeit zum Abfahren. Gegessen wird während der Fahrt nach Dashur, schließlich wollen wir ja keine unnötige Zeit verschwenden. Zurück in Kairo verläuft die Fahrt entlang des Fruchtlandes mit den vielen Palmen und Plantagen, hin und wieder ein Eselkarren und kleinen Dörfern. Für Abusir, wo die Pyramiden der 5 Dynastie und ihre Sonnenheiligtümer stehen, reicht die Zeit leider nicht. So können wir die Pyramiden leider nur aus der Ferne betrachten und zuhören, was uns Steffi S. über Mikro erzählt.
Vorbei an Sakkara, gelangen wir dann schließlich nach Dashur, wo Snofru einst zwei weitere Pyramiden bauen ließ. Die ältere der beiden ist die sog. Knickpyramide. Weshalb sie diesen Namen trägt, ist nicht schwer zu erraten. Schon während des Baus merkte man, dass die Pyramide absackte und so versuchte man noch zu retten, was zu retten war, indem man den Neigungswinkel änderte. Schlussendlich hat auch das nichts geholfen. Die Knickpyramide wurde nie als Grabmal genutzt.
Begeistert umrunden wir diese außergewöhnliche Pyramide, ständig begleitet von zwei Wachsoldaten auf ihren Kamelen. Kopfschüttelnd verfolgen sie, wie wir an einer geeigneten Stelle uns zu einem Gruppenfoto positionieren und uns dabei mit Selbstauslöser herumschlagen. Das Resultat lässt sich aber sehen.
Hinein können wir leider nicht. Obwohl die Pyramide schon seit über 4600 Jahren steht, besteht dennoch Einsturzgefahr, weshalb sie für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist.
Also setzen wir uns in den Bus und fahren zur Roten Pyramide, der dritten und erfolgreichen Pyramide des Snofru. Ihren Namen erhielt sie wegen des rötlichen Kalksteins mit dem das Kernmauerwerk errichtet wurde.
Als wir aussteigen stiehlt ein kleiner Hund der riesigen Pyramide vollkommen die Show. Der kleine Kerl ist aber auch zu putzig und jeder will ihn fotografieren. Mama Hund betrachtet das ganze recht skeptisch und schließlich kommt auch sie daher gelaufen, vermutlich um für die Fotos das nötige Bakschisch zu verlangen.
Die Rote Pyramide ist die letzte Pyramide, die wir auf dieser Exkursion von innen erkunden und gleichzeitig auch die beschwerlichste. Der ewig lange Schacht nach unten geht ins Kreuz und je weiter runter wir kommen, desto heißer und stickiger wird es. Ein muffiger Geruch liegt in der Luft und ein paar von uns wird schon mulmig zumute. Aber echte Archäologen lassen sich nicht abschrecken oder? Also erklimmen wir auch noch die leiterartigen Treppen, die uns in die obere Grabkammer führen und alles wird natürlich fotodokumentiert.
Als wir dann den Schacht wieder mühsam nach oben gekrochen sind, sind wir alle außer Atem und haben genug für unsere Beinmuskulatur gemacht. Erst mal tief durchatmen nach diesem sauerstoffarmen Gemäuer dort unten!
Bald schon ist die Anstrengung aber wieder vergessen und wir umrunden die Pyramide, um noch zu den Überresten des Totentempels zu gelangen, wo auch noch die Pyramidenspitze zu bewundern ist. Leider ist es schon wieder Zeit zu gehen und so lassen wir auch Dashur hinter uns, um mit dem Bus zu unserem Restaurant zu fahren, dass wir schon am Sonntag besucht hatten. Diesmal geht die Rechnung auf die Seminarkasse, was uns natürlich sehr freut. Wir können uns auch viel mehr Zeit lassen, da das Programm für heute beendet ist.
Als wir im Hotel ankommen, wird es erst mal Zeit für etwas Erholung. Allerdings ist der Abend noch so jung, es wäre zu schade, ihn zu vergeuden.
Um 20 Uhr treffen wir uns in der Lobby für einen kleinen Ausflug in unsere Shopping-Meile. Ich gehe nicht wirklich mit, weil ich beabsichtige, etwas zu kaufen, sondern, um dieses Feeling mitzuerleben. Dies ist nicht der Markt, wo sich die Touristen tummeln, sondern die Einheimischen und hier einzukaufen ist wirklich ein Erlebnis. Wir schlendern von Schuhladen zu Schuhladen (entdecken dabei lustige Marken, wie zum Beispiel Daddidas), huschen über die Straßen und betrachten fasziniert die eigenartigen Schaufenster.
Noch während wir auf unserer Shopping-Tour sind, erhalten wir eine schlechte Nachricht. Eigentlich war es für morgen geplant, dass wir am Vormittag die Universität von Kairo besuchen. Die Dekanin hat uns eingeladen, wollte uns alles zeigen, unter anderem die Sammlung von Fundstücken. Doch daraus wird nun nichts. Offenbar sind für morgen Demonstrationen an der Uni geplant und aus Sicherheitsgründen sollten deshalb keine Ausländer auf das Gelände. Wirklich schade, wir haben uns schon alle sehr gefreut.
Als wir allmählich genug von Schuhen und Kleidern haben, schlendern wir noch so weit durch die Straßen, bis wir fast wieder beim Museum sind. Dort ganz in der Nähe befindet sich nämlich die American University of Cairo, wo es die besten englischsprachigen Bücher der Stadt gibt. Nur leider sind wir zu spät und der Laden hat bereits zu.
Macht nichts, denkt sich unsere flinke Isabella und will uns unbedingt noch etwas zeigen. Wir können kaum Schritt mit ihr halten so schnell huscht sie uns voraus und stürzt sich in Kamikazemanövern auf die Straße, bis wir endlich an der Et-Tahir Brücke angelangt sind. Von hier aus hat man einen wunderschönen Blick auf den Nil, der in das bunte Lichtermeer der Stadt getaucht ist. Da ich nur mit einer Shopping-Tour gerechnet habe, habe ich natürlich keine Digicam dabei, aber wie ich sie kenne, hätte sie bei diesen Lichtverhältnissen ohnehin nur verschwommene Bilder gemacht.
Als wir gegen halb 12 wieder im Hotel sind, will ich nichts mehr, wie ab ins Bett. Wenn ich genau aufpasse, hab ich noch immer ein kleines bißchen den muffigen Geruch der Pyramide in der Nase. Könnte allerdings auch an dem Smog hier in Kairo liegen, bei dem man langsam eine Asthmalunge bekommt. Wenn ich zu Hause bin, muss ich erst mal dem nächsten Luftkurort einen Besuch abstatten.
Es ist kaum zu fassen, als der Wecker um 6.45 Uhr klingelt, aber es muss leider sein. Nachdem wir uns alle mit Frühstück gestärkt und mit Wasser vom Kiosk versorgt haben, überwiegt jedoch die Aufregung. Heute geht es nach Meidum und Dashur, zwei interessante Orte, die sonst in keinem der üblichen Touristenrouten enthalten sind.
Zunächst gibt es aber noch ein paar Startschwierigkeiten. Nicht nur, dass die Straßen der Innenstadt vollgestopft sind und wir noch einen Zwischenhalt einlegen müssen, damit Melanie und Hassan unser Picknick einkaufen können, nein, wir müssen schließlich auch noch warten, bis der Bus aufgetankt wurde.
Dann aber kann es wirklich losgehen. Ich hab mich im Hotel extra zweimal versichert, dass diesmal der Fotoapparat dabei ist, denn das will ich wirklich nicht versäumen.
Fast eine Stunde lang fahren wir durch die Wüste. Unterwegs begegnet uns nichts, als ein paar zerfallene Häuser, hin und wieder eine Tankstelle und auch mal eine einsam wirkende Moschee. Leichte Bedenken kommen uns, als der Bus plötzlich zu spinnen anfängt. Die Vorstellung hier irgendwo festzustecken wäre alles andere als rosig.
Schlussendlich fängt sich aber unser Bus wieder und wir kommen sicher gegen halb 11 in Meidum an. Hier steht die erste der drei Pyramiden des Snofru, dem Vater Cheops‘. Er war der erste, der eine „echte“ Pyramide bauen ließ, allerdings brauchte er dafür mehrere Anläufe. Von der Pyramide von Meidum ist heute nur noch der stufenförmige Kern erhalten, weshalb sie eigenartig aussieht. Aber allein die Tatsache, dass wir die einzigen auf dem Gelände sind (mal abgesehen von mind. genauso vielen Wachsoldaten) macht die ganze Sache noch viel aufregender. Hierher verirren sich nicht viele Touristen, obwohl es ein sehr eindrückliches Bauwerk ist.
Nachdem wir die Pyramide einmal umrundet haben und uns das dazugehörige Stelenheiligtum angesehen haben, geht es hinein. Spätestens jetzt wird klar, dass hier nicht sehr viele Leute herkommen. Der Schacht selbst ist zwar sympathisch groß, sodass man sich nicht zu sehr den Rücken verrenken muss, aber weil immer mal wieder das Geländer aufhört, wird der Abstieg ganz schön aufregend. Das Tolle ist aber, dass wir Fotos machen dürfen, so können wir unser Erlebnis gut festhalten.
Als wir dann hechelnd wieder herauskommen, ist es schon wieder Zeit zum Abfahren. Gegessen wird während der Fahrt nach Dashur, schließlich wollen wir ja keine unnötige Zeit verschwenden. Zurück in Kairo verläuft die Fahrt entlang des Fruchtlandes mit den vielen Palmen und Plantagen, hin und wieder ein Eselkarren und kleinen Dörfern. Für Abusir, wo die Pyramiden der 5 Dynastie und ihre Sonnenheiligtümer stehen, reicht die Zeit leider nicht. So können wir die Pyramiden leider nur aus der Ferne betrachten und zuhören, was uns Steffi S. über Mikro erzählt.
Vorbei an Sakkara, gelangen wir dann schließlich nach Dashur, wo Snofru einst zwei weitere Pyramiden bauen ließ. Die ältere der beiden ist die sog. Knickpyramide. Weshalb sie diesen Namen trägt, ist nicht schwer zu erraten. Schon während des Baus merkte man, dass die Pyramide absackte und so versuchte man noch zu retten, was zu retten war, indem man den Neigungswinkel änderte. Schlussendlich hat auch das nichts geholfen. Die Knickpyramide wurde nie als Grabmal genutzt.
Begeistert umrunden wir diese außergewöhnliche Pyramide, ständig begleitet von zwei Wachsoldaten auf ihren Kamelen. Kopfschüttelnd verfolgen sie, wie wir an einer geeigneten Stelle uns zu einem Gruppenfoto positionieren und uns dabei mit Selbstauslöser herumschlagen. Das Resultat lässt sich aber sehen.
Hinein können wir leider nicht. Obwohl die Pyramide schon seit über 4600 Jahren steht, besteht dennoch Einsturzgefahr, weshalb sie für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist.
Also setzen wir uns in den Bus und fahren zur Roten Pyramide, der dritten und erfolgreichen Pyramide des Snofru. Ihren Namen erhielt sie wegen des rötlichen Kalksteins mit dem das Kernmauerwerk errichtet wurde.
Als wir aussteigen stiehlt ein kleiner Hund der riesigen Pyramide vollkommen die Show. Der kleine Kerl ist aber auch zu putzig und jeder will ihn fotografieren. Mama Hund betrachtet das ganze recht skeptisch und schließlich kommt auch sie daher gelaufen, vermutlich um für die Fotos das nötige Bakschisch zu verlangen.
Die Rote Pyramide ist die letzte Pyramide, die wir auf dieser Exkursion von innen erkunden und gleichzeitig auch die beschwerlichste. Der ewig lange Schacht nach unten geht ins Kreuz und je weiter runter wir kommen, desto heißer und stickiger wird es. Ein muffiger Geruch liegt in der Luft und ein paar von uns wird schon mulmig zumute. Aber echte Archäologen lassen sich nicht abschrecken oder? Also erklimmen wir auch noch die leiterartigen Treppen, die uns in die obere Grabkammer führen und alles wird natürlich fotodokumentiert.
Als wir dann den Schacht wieder mühsam nach oben gekrochen sind, sind wir alle außer Atem und haben genug für unsere Beinmuskulatur gemacht. Erst mal tief durchatmen nach diesem sauerstoffarmen Gemäuer dort unten!
Bald schon ist die Anstrengung aber wieder vergessen und wir umrunden die Pyramide, um noch zu den Überresten des Totentempels zu gelangen, wo auch noch die Pyramidenspitze zu bewundern ist. Leider ist es schon wieder Zeit zu gehen und so lassen wir auch Dashur hinter uns, um mit dem Bus zu unserem Restaurant zu fahren, dass wir schon am Sonntag besucht hatten. Diesmal geht die Rechnung auf die Seminarkasse, was uns natürlich sehr freut. Wir können uns auch viel mehr Zeit lassen, da das Programm für heute beendet ist.
Als wir im Hotel ankommen, wird es erst mal Zeit für etwas Erholung. Allerdings ist der Abend noch so jung, es wäre zu schade, ihn zu vergeuden.
Um 20 Uhr treffen wir uns in der Lobby für einen kleinen Ausflug in unsere Shopping-Meile. Ich gehe nicht wirklich mit, weil ich beabsichtige, etwas zu kaufen, sondern, um dieses Feeling mitzuerleben. Dies ist nicht der Markt, wo sich die Touristen tummeln, sondern die Einheimischen und hier einzukaufen ist wirklich ein Erlebnis. Wir schlendern von Schuhladen zu Schuhladen (entdecken dabei lustige Marken, wie zum Beispiel Daddidas), huschen über die Straßen und betrachten fasziniert die eigenartigen Schaufenster.
Noch während wir auf unserer Shopping-Tour sind, erhalten wir eine schlechte Nachricht. Eigentlich war es für morgen geplant, dass wir am Vormittag die Universität von Kairo besuchen. Die Dekanin hat uns eingeladen, wollte uns alles zeigen, unter anderem die Sammlung von Fundstücken. Doch daraus wird nun nichts. Offenbar sind für morgen Demonstrationen an der Uni geplant und aus Sicherheitsgründen sollten deshalb keine Ausländer auf das Gelände. Wirklich schade, wir haben uns schon alle sehr gefreut.
Als wir allmählich genug von Schuhen und Kleidern haben, schlendern wir noch so weit durch die Straßen, bis wir fast wieder beim Museum sind. Dort ganz in der Nähe befindet sich nämlich die American University of Cairo, wo es die besten englischsprachigen Bücher der Stadt gibt. Nur leider sind wir zu spät und der Laden hat bereits zu.
Macht nichts, denkt sich unsere flinke Isabella und will uns unbedingt noch etwas zeigen. Wir können kaum Schritt mit ihr halten so schnell huscht sie uns voraus und stürzt sich in Kamikazemanövern auf die Straße, bis wir endlich an der Et-Tahir Brücke angelangt sind. Von hier aus hat man einen wunderschönen Blick auf den Nil, der in das bunte Lichtermeer der Stadt getaucht ist. Da ich nur mit einer Shopping-Tour gerechnet habe, habe ich natürlich keine Digicam dabei, aber wie ich sie kenne, hätte sie bei diesen Lichtverhältnissen ohnehin nur verschwommene Bilder gemacht.
Als wir gegen halb 12 wieder im Hotel sind, will ich nichts mehr, wie ab ins Bett. Wenn ich genau aufpasse, hab ich noch immer ein kleines bißchen den muffigen Geruch der Pyramide in der Nase. Könnte allerdings auch an dem Smog hier in Kairo liegen, bei dem man langsam eine Asthmalunge bekommt. Wenn ich zu Hause bin, muss ich erst mal dem nächsten Luftkurort einen Besuch abstatten.
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